Stadtkloster Segen - Bürger für Denkmale

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Förderverein Stadtkloster Segen e.V.

Außenansicht von der Schönhauser Allee aus (Foto: Wolfgang Bittner)
Schönhauser Allee 161, 10435 Berlin

Was macht man mit einer Kirche, die über 100 Jahre alt ist und dringend saniert werden muss? Vor dieser Frage stand die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord (EKPN) nach der Fusion von vier evangelischen Gemeinden im Jahr 2001. Eine dieser Gemeinden war die Segensgemeinde an der Schönhauser Allee. Verschiedene Ideen wurden diskutiert und es kristallisierte sich der Wunsch nach einem besonderen Ort der Spiritualität in der Stadt heraus. Um diesen Weg zu beschreiten und das Denkmal zu erhalten, gründete sich 2004 der Förderverein Stadtkloster Segen e.V. Gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat begann die Suche nach einer spirituellen Gemeinschaft für den Ort. Klar war zu Beginn nur, dass das Ensemble aus Kirche, Pfarrhaus, Wohnungen, Gemeinderäumen und dem weithin sichtbaren Kirchturm allein für Restaurierung und Unterhaltung gehörige Anstrengungen verlangen würde. Doch schon aus Denkmalschutzaspekten war es diesen Aufwand wert.

Das Gebäudeensemble ist ein kirchenhistorisches Vermächtnis der Kaiserzeit. Es spiegelt das schnelle Anwachsen der Berliner Bevölkerung um die Wende zum 20. Jahrhundert wider. Damals war die Zionskirche als einzige Kirche im Berliner Nordosten an hohen Feiertagen derart voll, dass sich die Besucher – gar nicht nächstenliebend - um die letzten freien Plätze geprügelt haben sollen. Die Hauptstadt hatte aufgrund des großen Einwohnerzustroms die Zweimillionen-Marke überschritten. Im Berliner Nordosten wurde daher der Bau neuer Kirchen beschlossen. Das Gebot der Stunde hieß nun vor allem, die vorhandenen Parzellen bestmöglich auszunutzen. So erwarb der Berliner Stadtsynodalverband im Jahr 1900 unter anderem ein Grundstück an der Schönhauser Allee 161, auf dem sich eine Ausflugsgaststätte mit Kegelbahn und Biergarten befand. Für das Kirchenvorhaben wurden die Baulichkeiten des einstigen Amüsierbetriebs abgerissen und die Neubebauung ausgeschrieben.

Die Segenskirche

Die Architekten August Dinklage (1849-1920), Ernst Paulus (1868-1935) und Olaf Lilloe (1872-1943) erhielten den Auftrag für die Bebauung. Sie hatten bereits Erfahrung mit in die Straßenfront eingebauten Kirchen. Dementsprechend sah der Entwurf für die Segenskirche vor, das längliche Grundstück mit der schmalen Straßenfront durch eine besonders tiefe Bebauung auszunutzen: Im vorderen Bereich waren ein in die Häuserzeile eingepasstes Gebäude mit Pfarr- und Gemeindewohnungen und ein aufgesetzter Kirchturm geplant. Eine große Durchfahrt sollte zu einer im Innenhof liegenden Kirche führen. Das hintere Fünftel des Grundstücks sollte schließlich als Garten weiter nutzbar bleiben. Der Spatenstich erfolgte im Jahr 1905. Am 6. Dezember 1908 und nach nur drei Jahren Bauzeit konnten die Segenskirche mit dem anliegenden Pfarr- und Gemeindehaus eingeweiht werden.

Der Kirchenbau ist in Form eines griechischen Kreuzes mit oktogonaler Tambourkuppel und einer Fassade im Stil der oberitalienischen Renaissance gestaltet. Die Fassaden der Gebäude sind aus handgestrichenen Ziegeln, die architektonischen Gliederungen aus Sandstein oder glasierten Klinker-Formsteinen ausgeführt. Eine Besonderheit ist der aus Sandstein und Kalkstuck gestaltete Bildschmuck über dem Kircheneingang. Neben vier Sandstein-Evangelisten des Bildhauers F. Schiedler überkrönt ein Kalksteinrelief mit dem segnenden Christus das Portal. Außerdem zeigen Sandstein-Reliefs in den Lünetten der Kirchenfassade drei Bibelszenen.

Betritt man den Kircheninnenraum, so fällt auf, dass Altar, Kanzel, Orgel und (ursprünglich) Taufstein konsequent axial gestellt wurden. Durch dieses - bereits im 19. Jahrhundert kontrovers diskutierte - Prinzip des Kirchenbaus führen auch architektonisch alle gottesdienstlichen Elemente (Taufe, Abendmahl, Wortverkündigung und Musik) in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Die ursprünglich farbige Fassung von Gewölbezwickeln und Wänden wurden ebenso wie die Glasfenster mit biblischen Szenen nach dem Krieg durch eine einfarbige Wandgestaltung und farblich und motivisch vereinfachte Glasfenster ersetzt.
 
Der 75 Meter hohe Kirchturm schließlich ist heute noch die höchste Erhebung im Bezirk Prenzlauer Berg. Sein achteckiger Turmaufsatz in neobarockem Stil („welsche Haube“) ist jedoch ebenso wie die filigrane Eisenkonstruktion und die Klinkerformsteine durch Kriegs- und Nachkriegsschäden dringend sanierungsbedürftig.

Das Stadtkloster

Das Gebäudeensemble mit Kirche und angeschlossenen Wohnungen bietet letztlich alle Voraussetzungen für eine evangelische Communität und ein Stadtkloster.  

Dabei scheint schon der Name „Stadtkloster“ ein Widerspruch in sich zu sein: Auf der einen Seite das pulsierende Leben mit lautem Alltag, Herausforderungen, Vielfalt und manchmal Überflutung und Leere zugleich. Auf der anderen Seite sollte ein Ort der Spiritualität, der Stille, der Einfachheit geschaffen werden. Ein Ort, wo Fragen nach dem Lebenssinn auftauchen und die Sehnsucht nach Gott gestillt werden.
 
Als sich der Pfarrer der Segensgemeinde im Jahr 2005 auf die Suche nach geeigneten evangelischen Gemeinschaften machte, war nicht klar, ob das Vorhaben gelingen würde. Er besuchte verschiedene kommunitäre Orte und fand in der Westschweiz schließlich die Familiencommunität Don Camillo. Die Mitglieder der Communität leben, beten und arbeiten bereits seit über 30 Jahren zusammen und hatten bereits daran gedacht, sich nach Standorten in Basel und Bern nun in eine Großstadt zu begeben. Nach gegenseitigen Besuchen und Vertragsverhandlungen kam es zum Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes. Im Jahre 2007 zogen zwei Familien mit Kindern der Communität Don Camillo in die Segenskirche in der Schönhauser Allee.

Sie bilden seitdem den Stadtklosterkonvent und gestalten Räume und Zeiten zur Begegnung mit Menschen und Gott. Die monastische Tradition des Lebens und Arbeitens im Kloster schafft dabei eine besonders stimmungsvolle Oase im Lärm der Stadt. Die Kirche wird regelmäßig für Besucher geöffnet, sei es zu liturgischen Tagzeitengebeten, den abendlichen Sonntagsgottesdiensten oder für die „Offene Kirche“. Außerdem gibt es Angebote zur christlichen Meditation, Taizé-Gesang, Schweigewochenenden und vielem mehr. Bei zahlreichen Anlässen helfen die Mitglieder des Fördervereins Stadtkloster Segen e.V. und einzelne Stadtklosterfreunde ehrenamtlich mit. Sie schätzen die herzliche Wärme, mit der die Konventsmitglieder immer wieder eine Einladung zum Miteinander im Glauben aussprechen.
 
Das Stadtkloster Segen ist auch in finanzieller Hinsicht etwas Besonderes. Es ist ein gemeinsames Projekt mit EKPN und damit auch Teil der evangelischen Landeskirche. Gleichzeitig erhalten die Klostergemäuer jedoch keine regelmäßigen Zuwendungen der Kirche wie andere Gemeinden. Die Communität Don Camillo ist sowohl für die gemeinnützige Arbeit als auch für die Sanierung des Gebäudes zum ganz überwiegenden Teil auf eigene Erträge durch Vermietungen und auf Spenden angewiesen.
 
In den zurückliegenden Jahren wurde trotzdem viel geschafft: In einem ersten Kraftakt wurden die Wohnungen saniert, Seminarräume und Gästezimmer eingerichtet und ein Fahrstuhl eingebaut. Auch die durch Kriegsschäden beschädigte Gebäudefassade ist bereits denkmalgerecht saniert. Doch der weitere Reparaturbedarf ist gar nicht immer sichtbar. 2017 zeigte sich überraschend, dass auch der Kirchturm einer dringenden und umfassenden Instandsetzung bedarf. Nachdem schon 1983 und 1999 Reparaturen erfolgt waren, ergab ein neues Schadensgutachten, dass eine weitere Behebung von Witterungsschäden und früher nicht fachgerecht ausgeführten Arbeiten dringend nötig ist. Die Stahlträger einer Zwischenebene, auf der das Glockengerüst ruht, waren nicht mehr tragfähig. Veranschlagt für diese Großbaustelle sind 670.000 Euro. Zwar gibt es in diesem Fall auch Zuschüsse von Stiftungen, aus der Politik und von der Landeskirche. Dennoch muss das Stadtkloster 60.000 Euro Eigenmittel aufbringen.

Die Sanierungsarbeiten sind zum Glück bereits in vollem Gang. Doch sobald die Turmsanierung abgeschlossen sein wird, warten weitere Baustellen. Die Renovierung des Kirchenraums ist nach der Sanierung in den 1960er Jahren überfällig und die Instandhaltung der gesamten Anlage verschlingt jährlich fünfstellige Beträge. Der Förderverein Stadtkloster Segen e.V. freut sich daher auf jede Unterstützung für das Stadtkloster, sei es durch Spenden oder tatkräftige Hilfe.


Kontakt:

Förderverein Stadtkloster Segen e.V.
c/o Stadtkloster Segen
Schönhauser Allee 161
10435 Berlin

Telefon: 030/44037739
Fax: 030/44312433



Spendenkonto:

Förderverein Stadtkloster Segen e.V.
IBAN: DE 0635 0601 9015 6720 9012


Geistliche Angebote des Stadtklosters:

  • Tagzeitengebete: Montag bis Freitag 8 und 12 Uhr
  • Christliche Meditation: donnerstags 20 Uhr in der Dachkapelle, 21 Uhr Komplet in der Kirche
  • AbendbeSINNungen: sonntags 20:30 Uhr
  • Ora-et-labora–Tage: Beten und Arbeiten nach benediktinischer Regel
  • verschiedene Seminare und Tagungen


Besichtigungen:

Offene Kirche: mittwochs 15-17 Uhr und samstags 14-16 Uhr



Kirche im Abendlicht (Foto: Stadtkloster Segen)


Innenhof mit Blick nach oben (Foto: Stadtkloster Segen)


Ansicht des Kirchenraums (Foto: Stadtkloster Segen)


Tischabendmahl (Foto: Stadtkloster Segen)


Kirchenfassade (Foto: Stadtkloster Segen)


eingerüsteter Turm (Foto: Maja Schiffmann)


historische Außenansicht von der Wörther Straße aus (Foto: Quelle unbekannt)

Copyright @ Stiftung Denkmalschutz Berlin 2019
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